Rasse

Diese Pferderasse wurde durch eine raue Landschaft geformt und geprägt. Ständig blutige Konflikte, harte Arbeit, miserable Behandlung, tiefe Winter, Trockenheit, Sommerhitze. Nur die Besten und Widerstandsfähigsten haben überlebt. Die karatschaever Pferde gehören mit Sicherheit nicht zu den schönsten Pferden auf der Welt. Sie sind jedoch ausgezeichnete Arbeitspferde. Anspruchslos, intelligent, mutig, ausdauernd und schnell. Diese schwarzen bzw. schwarzbraunen Pferde, die meistens keine weißen Kennzeichnungen aufweisen, erreichen eine Widerristhöhe von ungefähr 160 cm.

Körperbau

Sie haben einen langen Kopf, oftmals einen Rammkopf, mit beweglichen und wachsamen Ohren sowie mit gut ausgebildeten haptischen Barthaaren. Sie haben einen mittellangen, muskulösen Hals, eine verhältnismäßig gerade Schulter sowie einen niedrigen Widerrist. Sie haben einen kräftigen Körperbau mit einer geraden Kruppe. Die Gliedmaßen sind auch von kräftigem Bau mit allgemein guten Gelenken, Knochen und kurzen, kräftigen Sprunggelenken. Die Hinterbeine sind manchmal säbelförmig geneigt, was für Bergrassen typisch ist. Sie verfügen über starke und harte Hufe, welche bei der richtigen Zuchtform sowie beim Einsatz für normale Arbeitstätigkeiten nicht beschlagen werden müssen. Sie haben einen langen, dichten Schwanz und Mähne.

Über die Geschichte der Rasse

Die karatschaever Pferde gehören zu den bekanntesten Bergrassen. Über die Jahrhunderte erfolgte die Aufzucht in den klimatischen und geografischen Bedingungen des Nordkaukasus. Im Jahr 1943 wurde das Volk der Karatschaier wegen der vermeintlichen Kollaboration mit den Deutschen von Stalin nach Mittelasien ausgesiedelt und die karatschaever Rasse wurde in kabardiner Rasse umbenannt und die Zuchten wurden miteinander vereint. Dieser Status hielt sich bis zum Jahr 1983, als die Zuchten wieder voneinander getrennt wurden und beide Rassen separat im Abstammungsbuch geführt werden. Während des Zeitraums der gemeinsamen Geschichte gab es 90 karatschaever Gestüte und nur drei kabadiner Gestüte. Dies hat zur Folge, dass der Anteil von karatschaever Blut bei den kabadiner Pferden derzeit mehr als 15 % beträgt und umgekehrt beträgt der Anteil von kabadiner Blut im Blut der karatschaever Pferde nur etwas weniger als 2 %.

Bei der Aufzucht von karatschaever Pferden hatte man nicht nur die Züchtung von schnellen, sondern auch von ausdauernden Pferden zum Ziel, die gehorsam sind sowie nicht anspruchsvoll in der Pflege und die sich ganzjährig im unterschiedlichen bis Hochgebirgsterrain bewegen können. All diese Eigenschaften wurden aufgrund ihres Einsatzes in der Armee vorgegeben sowie speziell aufgrund des Einsatzes beim Schutz der Staatsgrenzen.

Diese Pferde können bei schwierigen Passagen bis hin zu fast unpassierbaren Stellen eine ausgezeichnete Leistung erzielen. Die legendäre Gewandtheit sowie Mut und Ausdauer können wir anhand einiger Beispiele veranschaulichen.

Nach dem Ende des Kriegs zwischen Russland und Japan im Jahr 1905 ritten drei Soldaten mehr als 10 Tausend Kilometer auf karatschaever Pferden – nur auf Hufen – nach Hause. Unter schwierigsten Bedingungen des Winters 1935-36 wurde ein 3000 Kilometer langer Wettkampf im Ausdauerreiten auf dem Hauptkamm des Kaukasus veranstaltet. Auf dem Kluchor-Bergpass (2781 m ü.d.M.) ritten die Pferde durch den tiefen Schnee. Für diesen 100 km langen Abschnitt wurden nur fünf Stunden und sieben Minuten (in der Nacht!) benötigt.

Im Jahr 1999 bezwangen zwei Reiter auf karatschaever Pferden und ein Reiter auf einem anglo-karatschaever Pferd den Elbrus, den höchsten Gipfel in Europa mit 5633 m ü.d.M. (Ostgipfel) und im darauffolgenden Jahr auch den Westgipfel mit 5644 Metern. Dies ist wirklich eine beispiellose Leistung dieser Pferde im Gebirge. Im Gespann haben einige Wallache in den Bergen eine Gesamtlast von 2 Tonnen auf einer Strecke von 50 Kilometern innerhalb von 6 Stunden und 4 Minuten gezogen.